Deutsch und Englisch: Typische Übersetzungsfallen erkennen
Ein einziges vertraut aussehendes Wort kann die Aussage einer Übersetzung verändern. Werden aus englischen „actual costs“ im Deutschen „aktuelle Kosten“, geht eine entscheidende Information verloren: Gemeint sind die tatsächlichen Kosten, nicht deren zeitliche Aktualität. Solche Fehler wirken oft unauffällig, weil der übersetzte Satz flüssig klingt. Gerade deshalb lohnt es sich, typische Übersetzungsfallen im Englischen genauer zu kennen.
Falsche Freunde: ähnliche Wörter mit anderer Bedeutung
Falsche Freunde zwischen Englisch und Deutsch sind Wörter, deren Schreibweise oder Klang eine gemeinsame Bedeutung nahelegt, obwohl sie etwas anderes ausdrücken. Diese irreführende Ähnlichkeit beschreibt auch der sprachwissenschaftliche Begriff „falscher Freund“.
Einige dieser Wortpaare begegnen regelmäßig in E-Mails, Angeboten und Unternehmensunterlagen:
| Englisches Wort | Gemeinte Bedeutung | Verwechslungsgefahr | Passende englische Übersetzung des deutschen Wortes |
|---|---|---|---|
| actual | tatsächlich, wirklich | aktuell | current |
| eventually | schließlich, letztendlich | eventuell | possibly, perhaps |
| become | werden | bekommen | get, receive |
| sensible | vernünftig | sensibel | sensitive |
| chef | Küchenchef, Küchenchefin | Chef, Chefin | boss, manager |
| billion | Milliarde | Billion | trillion |
Die Angaben sind Orientierungshilfen. Welche Übersetzung passt, hängt vom jeweiligen Satz und vom Sprachgebrauch im betreffenden Fachgebiet ab.
Wenn aus einer Möglichkeit eine Erwartung wird
Besonders deutlich ist die Falle bei „eventually“. Das deutsche „eventuell“ lässt offen, ob etwas überhaupt geschieht. Das englische Wort beschreibt dagegen, dass etwas schließlich oder nach einiger Zeit geschieht.
Bei einer Aussage wie „Wir werden eventuell eine weitere Filiale eröffnen“ muss die englische Übersetzung deshalb die Möglichkeit ausdrücken. Wer hier „eventually“ verwendet, kann den Eindruck erwecken, die Eröffnung sei zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten.
Der Fehler betrifft damit mehr als eine einzelne Vokabel: Er verändert den Grad der Sicherheit einer Aussage.
Teilweise passende Bedeutungen sind besonders tückisch
Nicht jedes verdächtige Wortpaar ist grundsätzlich falsch. „Control“ kann beispielsweise Kontrolle oder Steuerung bedeuten. Das deutsche Verb „kontrollieren“ verlangt aber je nach Situation unterschiedliche englische Wörter.
Wer eine Rechnung auf Fehler kontrolliert, prüft sie. Wer den Zugang zu einem Gebäude kontrolliert, kann ihn überwachen oder regeln. Eine feste Zuordnung nach dem Muster „ein deutsches Wort gleich ein englisches Wort“ reicht dafür nicht aus.
Hilfreich ist die Frage: Welche konkrete Handlung bezeichnet das Wort an dieser Stelle?
Redewendungen lassen sich selten Wort für Wort übertragen
Redewendungen beziehen ihre Bedeutung aus dem gesamten Ausdruck. Die einzelnen Wörter führen deshalb häufig in die falsche Richtung.
„Da liegt der Hund begraben“ bezeichnet beispielsweise den entscheidenden Punkt oder die Ursache eines Problems. Eine Übersetzung, die tatsächlich von einem begrabenen Hund spricht, verfehlt diese Aussage. Je nach Zusammenhang eignet sich eine englische Redewendung mit ähnlicher Funktion oder eine sachliche Formulierung wie „Das ist das eigentliche Problem“.
Auch „Ich verstehe nur Bahnhof“ beschreibt keine Situation am Bahnhof. Gemeint ist: „Ich verstehe überhaupt nichts.“ Für eine geschäftliche Nachricht könnte sogar „Der Zusammenhang ist mir noch unklar“ besser passen, wenn der Ton höflich und lösungsorientiert bleiben soll.
Bedeutung und Ton gemeinsam übertragen
Eine passende Übersetzung muss berücksichtigen, wie ein Ausdruck wirkt. Ist er humorvoll, verärgert, locker oder förmlich? Eine bildhafte Wendung in einer Werbeanzeige kann ihren Reiz verlieren, wenn sie zu nüchtern übersetzt wird. In einer Bedienungsanleitung kann dieselbe Vereinfachung die Verständlichkeit verbessern.
Manche Bilder funktionieren in beiden Sprachen, etwa „das Eis brechen“. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Regel ableiten. Jede Redewendung braucht eine eigene Prüfung.
Ähnliches gilt für feste Wortverbindungen: Im Deutschen „trifft“ man eine Entscheidung. Im Englischen wird dafür häufig das Verb „make“ verwendet; auch „take“ ist in bestimmten Verbindungen üblich. Das deutsche Verb darf hier nicht mechanisch übertragen werden.
Der englische Satzbau folgt anderen Mustern
Selbst mit korrekt gewählten Wörtern kann eine Übersetzung unnatürlich oder schwer verständlich werden. Deutsch und Englisch ordnen Informationen unterschiedlich an.
Subjekt und Verb stehen meist näher zusammen
Im Deutschen ist der Satz „Diesen Vorschlag prüfen wir morgen“ völlig natürlich. Das Objekt steht am Anfang, danach folgen Verb und Subjekt.
Für eine neutrale englische Aussage ist dagegen meist die Reihenfolge Subjekt – Verb – Objekt passend. Der Satz wird also gedanklich zu „Wir prüfen diesen Vorschlag morgen“ umgebaut. Die Zeitangabe lässt sich anschließend passend ergänzen.
Das bedeutet nicht, dass Englisch keine anderen Reihenfolgen kennt. Eine deutsche Wortstellung sollte aber bewusst geprüft werden, statt sie unverändert zu übernehmen.
Nebensätze brauchen eine neue Anordnung
In deutschen Nebensätzen steht das gebeugte Verb häufig am Ende: „Wir bestätigen, dass die Lieferung morgen eintrifft.“
Im entsprechenden englischen Nebensatz steht das Verb normalerweise nach dem Subjekt. Wer die deutsche Reihenfolge beibehält, erzeugt einen Satz, der für englischsprachige Leser ungewohnt oder grammatisch fehlerhaft ist.
Bei langen Sätzen hilft es, zunächst die Beziehungen zu klären: Wer handelt? Was geschieht? Unter welcher Bedingung? Anschließend lassen sich die Informationen in einer passenden englischen Struktur anordnen. Manchmal sind zwei kürzere Sätze verständlicher als ein langer.
Zeitformen werden nach ihrer Funktion gewählt
„Wir arbeiten seit drei Jahren zusammen“ steht im Deutschen im Präsens. Im Englischen wird eine solche Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart üblicherweise mit dem englischen Perfekt oder dessen Verlaufsform ausgedrückt.
Die deutsche Zeitform allein bestimmt also nicht die englische. Entscheidend ist, ob ein Vorgang abgeschlossen ist, noch andauert oder einen Bezug zur Gegenwart hat.
Kleine Wörter können die Aussage umkehren
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Verneinungen und Modalverben. Zwischen „Sie müssen die Datei nicht löschen“ und „Sie dürfen die Datei nicht löschen“ liegt ein erheblicher Unterschied.
Im Englischen bedeutet „must not“ ein Verbot. Für eine fehlende Verpflichtung passen dagegen beispielsweise „do not have to“ oder „need not“. Eine scheinbar naheliegende Übertragung von „müssen nicht“ kann dadurch genau die falsche Anweisung ergeben.
Auch Wörter wie „nur“, „bereits“ und „noch“ sollten gezielt geprüft werden. Ihre Stellung und Übersetzung beeinflussen, welche Information hervorgehoben wird und welche Erwartungen der Satz vermittelt.
So lassen sich Übersetzungsfallen gezielt prüfen
Eine wirksame Kontrolle geht über Rechtschreibung und flüssige Formulierungen hinaus:
- Die Aussage festhalten: Was soll der Absatz vermitteln, und wie sicher oder verbindlich ist diese Aussage?
- Vertraute Wörter hinterfragen: Ähnlich aussehende Begriffe im Kontext nachschlagen und die passende Bedeutung prüfen.
- Redewendungen als Einheit behandeln: Erst ihren Sinn und Ton bestimmen, dann eine geeignete Formulierung wählen.
- Satzstruktur und Zeitbezug prüfen: Den englischen Satz eigenständig aufbauen und zeitliche Beziehungen erhalten.
- Mit dem Ausgangstext vergleichen: Stimmen Bedingungen, Verneinungen, Zahlen und Zuständigkeiten weiterhin überein?
Für einen Übersetzungsauftrag helfen Angaben zur Zielgruppe, zum Verwendungszweck und zur gewünschten Sprachvariante. Ein Glossar mit Fachbegriffen und bereits freigegebenen Formulierungen erleichtert außerdem eine einheitliche Wortwahl.
Die entscheidende Qualitätsfrage lautet: Versteht die englischsprachige Leserin oder der Leser dieselbe Aussage wie das deutschsprachige Publikum? Eine gute Übersetzung darf dafür Wörter und Satzstrukturen verändern. Der Sinn muss erhalten bleiben.