Englisch-Übersetzungen beauftragen: Welche Angaben braucht ein Übersetzer?
„Bitte ins Englische übersetzen“ beschreibt die Sprachrichtung, lässt aber viele Fragen offen. Soll der Text britische Geschäftspartner überzeugen, internationale Kunden informieren oder einer Behörde vorgelegt werden? Wer eine Englisch-Übersetzung beauftragen möchte, kann mit wenigen gezielten Angaben dafür sorgen, dass der Übersetzer den Aufwand verlässlich einschätzt und den Text passend zum vorgesehenen Einsatz formuliert.
Dafür brauchen Sie kein umfangreiches Dokument. Meist reichen eine kurze Auftragsbeschreibung, der vollständige Ausgangstext und relevante Referenzunterlagen. Entscheidend ist, dass die Informationen eindeutig sind.
Ausgangssprache und Zielsprache genau benennen
Geben Sie die Sprachrichtung ausdrücklich an, beispielsweise Deutsch → Englisch. Die Bezeichnung „Englisch-Übersetzung“ allein kann auch eine Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche meinen. Enthalten die Unterlagen mehrere Sprachen, weisen Sie darauf hin und markieren Sie die betreffenden Abschnitte.
Für die englische Zielsprache ist außerdem die gewünschte Sprachvariante relevant. Britisches und amerikanisches Englisch unterscheiden sich unter anderem in Rechtschreibung, Wortwahl und manchen Schreibkonventionen. Gibt es bereits englische Unternehmensunterlagen, sollte die neue Übersetzung sprachlich dazu passen.
Wenn Sie keine Variante festgelegt haben, nennen Sie den Zielmarkt. Bei einem internationalen Publikum beschreiben Sie möglichst konkret, in welchen Ländern der Text eingesetzt wird. Auf dieser Grundlage lässt sich eine geeignete sprachliche Ausrichtung vereinbaren.
Zielgruppe und Verwendungszweck erklären
Ein Übersetzer muss wissen, wer den Text lesen wird und was er bei diesen Lesern erreichen soll. Auch die Hinweise des BDÜ zur Vergabe von Übersetzungsaufträgen nennen Zielgruppe und Verwendungszweck als wichtige Angaben für die Vorbereitung.
Wer liest die Übersetzung?
Beschreiben Sie die Leser möglichst konkret. „Unsere Kunden“ ist weniger hilfreich als „Einkaufsverantwortliche in britischen Industrieunternehmen, die unsere Produkte noch nicht kennen“.
Dabei helfen Angaben zu:
- fachlichem Vorwissen und Branchenkenntnissen,
- Ländern oder Märkten,
- der Beziehung zu Ihrem Unternehmen,
- dem gewünschten Ton, etwa sachlich, förmlich oder werblich.
Ein Text für Fachleute kann bekannte Begriffe voraussetzen. Für ein breiteres Publikum müssen dieselben Zusammenhänge möglicherweise ausführlicher erklärt werden. Solche Anpassungen sollten vorab besprochen werden.
Wofür wird der Text verwendet?
Nennen Sie das konkrete Einsatzgebiet: etwa eine Kundenpräsentation, eine Bewerbung, eine interne Arbeitsunterlage oder eine öffentlich zugängliche Produktseite.
Erklären Sie auch, ob der Text ausschließlich Informationen vermitteln oder eine bestimmte Wirkung erzielen soll. Bei einer Werbebroschüre kann eine freiere sprachliche Gestaltung sinnvoll sein; bei anderen Dokumenten ist eine besonders enge Orientierung am Ausgangstext gewünscht.
Soll die Übersetzung einer Behörde, Hochschule oder anderen Institution vorgelegt werden, klären Sie deren Anforderungen vor der Beauftragung. Teilen Sie mit, ob beispielsweise eine bestätigte beziehungsweise beglaubigte Übersetzung, eine Papierausfertigung oder ein bestimmtes Format verlangt wird.
Den vollständigen Text und den Auftragsumfang bereitstellen
Für eine belastbare Einschätzung sollte der Übersetzer die tatsächlich zu bearbeitenden Unterlagen sehen können. Eine Seitenzahl allein sagt wenig darüber aus, wie viel Text enthalten ist und wie aufwendig seine Bearbeitung wird.
Senden Sie möglichst die freigegebene Fassung. Ist der Ausgangstext noch in Arbeit, kennzeichnen Sie ihn als Entwurf und geben Sie an, wann die endgültige Version vorliegt. Vereinbaren Sie außerdem, wie spätere Änderungen übermittelt und berücksichtigt werden.
Prüfen Sie vor dem Versand, welche Bestandteile zum Auftrag gehören. Häufig werden Bildbeschriftungen, Fußnoten, Tabellen, Kommentare oder Texte in Grafiken übersehen. Bei einer Website können beispielsweise auch Schaltflächen, Formularmeldungen und Seitentitel dazugehören.
Markieren Sie eindeutig, was übersetzt werden soll und was unverändert bleibt. Das betrifft etwa Produktnamen, Artikelnummern oder bereits freigegebene Textabschnitte.
Dateiformat und gewünschte Lieferung abstimmen
Stellen Sie nach Möglichkeit bearbeitbare Dateien bereit. Bei gestalteten Dokumenten kann zusätzlich eine PDF-Datei helfen, die Anordnung von Text und Bildern zu verstehen. Liegen nur Scans oder Fotos vor, achten Sie auf vollständige und gut lesbare Seiten.
Beschreiben Sie das gewünschte Ergebnis: Soll die Übersetzung in einer Textdatei, einer zweisprachigen Tabelle oder direkt im ursprünglichen Dateiformat geliefert werden? Müssen Zeichenbegrenzungen eingehalten oder Texte wieder in ein Layout eingesetzt werden? Diese Aufgaben gehören in die Anfrage, damit ihr Umfang vereinbart werden kann.
Terminologie und Referenzmaterial zusammenstellen
Fachbegriffe und unternehmenseigene Bezeichnungen lassen sich besser einordnen, wenn der Übersetzer ihren Zusammenhang kennt. Stellen Sie deshalb gezielt Material bereit, das für den Auftrag hilfreich ist:
- freigegebene frühere Übersetzungen,
- Begriffssammlungen mit bevorzugten Benennungen,
- Vorgaben zu Schreibweise und Ton,
- Produktbeschreibungen oder erläuternde Abbildungen.
Kennzeichnen Sie, welche Unterlagen verbindlich sind und welche lediglich Hintergrundinformationen liefern. Eine ältere Übersetzung kann den bisherigen Stil zeigen, aber inzwischen veraltete Begriffe enthalten. Ein kurzer Hinweis verhindert, dass diese unbemerkt übernommen werden.
Erklären Sie außerdem interne Abkürzungen und mehrdeutige Begriffe. Wenn verschiedene Referenzdateien einander widersprechen, legen Sie fest, welche Fassung Vorrang hat.
Einen konkreten Termin und einen Ansprechpartner nennen
„So schnell wie möglich“ lässt offen, wann Sie die Übersetzung tatsächlich benötigen. Geben Sie ein Datum und bei zeitkritischen Aufträgen auch Uhrzeit und Zeitzone an.
Unterscheiden Sie zwischen dem gewünschten Liefertermin und dem späteren Einsatztermin. Wenn nach der Übersetzung noch eine interne Freigabe oder die Gestaltung einer Broschüre folgt, braucht auch dieser Schritt Zeit. Teilen Sie bei größeren Aufträgen mit, ob eine Lieferung in mehreren Teilen hilfreich wäre.
Benennen Sie zudem eine Person, die fachliche Rückfragen beantworten kann. Dazu gehört beispielsweise die Klärung einer unvollständigen Beschreibung oder einer Abkürzung, die außerhalb Ihres Unternehmens unbekannt ist. Legen Sie fest, wer solche Fragen intern bündelt und Entscheidungen freigibt.
Checkliste: Den Übersetzungsauftrag vorbereiten
Vor dem Versand Ihrer Anfrage können Sie die folgenden Punkte abhaken:
- Sprachen: Ausgangssprache, Zielsprache und gewünschte englische Sprachvariante angegeben.
- Leser: Zielgruppe, Zielmarkt und fachliches Vorwissen beschrieben.
- Einsatz: Verwendungszweck, Ton und besondere Anforderungen genannt.
- Textfassung: Vollständige Dateien beigefügt und den Bearbeitungsstand gekennzeichnet.
- Umfang: Zu übersetzende Abschnitte einschließlich Tabellen, Grafiken und Zusatztexten festgelegt.
- Referenzen: Begriffssammlungen, frühere Übersetzungen und Stilvorgaben ausgewählt.
- Lieferung: Gewünschtes Dateiformat und mögliche Layoutaufgaben beschrieben.
- Zeitplanung: Liefertermin, interne Prüfschritte und gegebenenfalls Teillieferungen angegeben.
- Kontakt: Ansprechpartner für Rückfragen und Freigaben benannt.
So kann eine vollständige Anfrage aussehen
Eine kurze Nachricht kann die wesentlichen Angaben bereits zusammenführen:
Wir möchten die beigefügte deutsche Produktbroschüre ins britische Englisch übersetzen lassen. Sie richtet sich an Einkaufsverantwortliche in Großbritannien und wird als PDF veröffentlicht. Gewünscht ist ein sachlicher, gut verständlicher Ton.
Die Word-Datei enthält die freigegebene Textfassung; die PDF-Datei dient als Layoutreferenz. Bitte übersetzen Sie auch die Tabellen und Bildunterschriften. Produktnamen und Artikelnummern bleiben unverändert.
Unsere verbindliche Begriffsliste liegt bei. Die ältere englische Broschüre dient ausschließlich als Stilreferenz. Wir benötigen die Übersetzung bis zum [Datum] um [Uhrzeit und Zeitzone] als Word-Datei. Für fachliche Rückfragen steht [Ansprechpartner] zur Verfügung. Bitte nennen Sie im Angebot auch die Kosten einer zusätzlichen Prüfung durch einen zweiten Übersetzer.
Vor der Auftragserteilung sollten Sie prüfen, ob das Angebot diese Angaben vollständig aufgreift. Halten Sie insbesondere Leistungsumfang, Preis, Liefertermin und vereinbarte Prüfungen schriftlich fest. So haben beide Seiten eine klare Grundlage für die Zusammenarbeit.