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Ein Glossar für Übersetzungen erstellen: Fachbegriffe einheitlich verwenden

Ein Glossar für Übersetzungen erstellen: Fachbegriffe einheitlich verwenden

Eine Produktbroschüre spricht von „Freigabe“, eine Anleitung von „Genehmigung“, und in der englischen Übersetzung entstehen weitere Varianten. Leser können dann kaum erkennen, ob überall derselbe Vorgang gemeint ist. Ein Glossar für Übersetzungen schafft eine gemeinsame Grundlage: Es hält fest, welche Fachbegriffe welche Bedeutung haben, wie sie übersetzt werden und in welchem Zusammenhang sie gelten. Schon eine überschaubare, sorgfältig gepflegte Tabelle kann viele Rückfragen vermeiden.

Was ein Übersetzungsglossar festlegt

Ein Übersetzungsglossar verbindet deutsche Fachbegriffe mit ihren freigegebenen englischen Benennungen. Ergänzende Definitionen und Verwendungshinweise helfen dabei, die passende Übersetzung im jeweiligen Text zu wählen.

Dabei ist die Bedeutung entscheidend. Das Wort „Freigabe“ kann beispielsweise die Zustimmung zur Veröffentlichung eines Dokuments oder die technische Freigabe eines Bauteils bezeichnen. Werden diese Bedeutungen getrennt erfasst, lässt sich für jede eine passende englische Benennung festlegen.

Ein fachliches Anschauungsbeispiel bietet die Terminologiedatenbank der Gesellschaft für Technische Kommunikation. Die dortige Arbeitsgruppe erarbeitet Einträge mit Definitionen, Kontext und weiteren Angaben und gibt sie nach gemeinsamer Prüfung frei.

Einheitlichkeit bedeutet, denselben fachlichen Inhalt verlässlich gleich zu benennen. Unterschiedliche Sachverhalte dürfen deshalb unterschiedliche Übersetzungen erhalten, auch wenn im Deutschen dasselbe Wort verwendet wird.

Welche Begriffe gehören in das Glossar?

Beginnen Sie mit den Begriffen, die für Ihren nächsten Übersetzungsauftrag besonders wichtig sind. Eine kleine, geprüfte Sammlung ist im Alltag leichter nutzbar als eine umfangreiche Liste mit ungeklärten Vorschlägen.

Typische Kandidaten sind:

  • Fachbegriffe für Produkte, Bauteile, Leistungen und Arbeitsabläufe
  • unternehmensinterne Bezeichnungen, deren Bedeutung Außenstehenden nicht bekannt ist
  • Abkürzungen und ihre ausgeschriebenen Formen
  • Begriffe, die bisher unterschiedlich übersetzt wurden
  • Wörter mit mehreren Bedeutungen oder häufigen Rückfragen
  • Produktnamen und Bezeichnungen, deren Schreibweise verbindlich ist

Allgemeine Wörter müssen Sie nur aufnehmen, wenn dafür eine besondere Vorgabe gilt. Entscheidend ist, ob ein Eintrag eine konkrete Unsicherheit beseitigt.

So bauen Sie ein brauchbares Glossar auf

Für den Einstieg genügt häufig eine gemeinsam gepflegte Tabelle. Verwenden Sie klar bezeichnete Spalten und erfassen Sie jeden fachlichen Begriff in einem eigenen Eintrag. Hat ein Wort mehrere Bedeutungen, erhält jede Bedeutung einen separaten Eintrag.

Diese Felder bilden eine praktische Grundlage:

Feld Inhalt
Deutscher Ausgangsbegriff Bevorzugte deutsche Benennung
Definition Kurze Erklärung der gemeinten Bedeutung
Englische Zielbenennung Geprüfte Übersetzung für diese Bedeutung
Sprachvariante Beispielsweise britisches oder amerikanisches Englisch
Fachgebiet oder Produkt Bereich, für den der Eintrag gilt
Verwendungshinweis Bedingungen, Ausnahmen und Schreibregeln
Varianten Zulässige Alternativen und ausdrücklich abgelehnte Benennungen
Quelle Referenzdokument mit genauer Fundstelle
Status und Freigabe Entwurf, in Prüfung oder freigegeben; zuständige Person und Datum

Die englischen Zielbenennungen stehen in der Zielsprache. Definitionen und organisatorische Hinweise können Sie auf Deutsch führen, sofern alle Beteiligten damit arbeiten können.

Die Bedeutung zuerst klären

Eine Definition soll erklären, was der Begriff bezeichnet. Die Formulierung „Freigabe bedeutet, dass etwas freigegeben wird“ hilft kaum weiter.

Präziser wäre: „Bestätigung durch die zuständige Fachabteilung, dass ein Bauteil nach abgeschlossener Prüfung für die Serienfertigung verwendet werden darf.“

Ergänzen Sie nach Möglichkeit einen Satz aus einem tatsächlichen Dokument. Dieser Kontext zeigt, wie der Begriff verwendet wird, und erleichtert die Beurteilung der englischen Übersetzung.

Englische Benennungen prüfen und freigeben

Übernehmen Sie vorhandene Übersetzungen zunächst als Vorschläge. Ein Begriff kann in einem älteren Dokument passend sein, für ein anderes Produkt oder eine andere Zielgruppe jedoch ungeeignet.

Die Fachabteilung sollte bestätigen, dass die Bedeutung stimmt. Der Übersetzungsdienstleister kann beurteilen, ob die englische Benennung sprachlich und fachlich zum vorgesehenen Einsatz passt. Legen Sie außerdem fest, wer die endgültige Entscheidung trifft.

Ist noch keine englische Übersetzung vorhanden, kann das Glossar trotzdem vorbereitet werden. Markieren Sie das entsprechende Feld als offen und lassen Sie einen Vorschlag erarbeiten. Ein ungeprüfter Vorschlag sollte klar von einer freigegebenen Benennung unterscheidbar bleiben.

Verwendungshinweise konkret formulieren

Hinweise wie „je nach Zusammenhang“ lassen zu viel offen. Beschreiben Sie stattdessen die tatsächliche Regel, etwa:

  • „Gilt ausschließlich für die technische Freigabe von Bauteilen.“
  • „Abkürzung bei der ersten Nennung ausschreiben.“
  • „Produktname unverändert übernehmen.“
  • „Ältere Benennung in neuen Dokumenten nicht mehr verwenden.“

Auch zulässige Alternativen brauchen einen erkennbaren Einsatzbereich. Eine Kurzform kann beispielsweise für beschriftete Bedienelemente vorgesehen sein, während im Fließtext die vollständige Benennung gilt.

Referenztexte gezielt auswählen

Referenztexte zeigen, wie Begriffe bisher verwendet wurden. Geeignet sind etwa freigegebene englische Produktunterlagen, aktuelle zweisprachige Broschüren oder bereits geprüfte Übersetzungen vergleichbarer Texte.

Kennzeichnen Sie bei jedem Dokument, welchen Zweck es erfüllt: Ist seine Terminologie verbindlich, dient es als stilistisches Vorbild oder liefert es lediglich Hintergrundinformationen? Diese Unterscheidung verhindert, dass veraltete Formulierungen versehentlich als Vorgabe übernommen werden.

Geben Sie möglichst genaue Fundstellen an, beispielsweise Dokumenttitel, Version, Kapitel und Seite. So lässt sich eine Entscheidung später nachvollziehen.

Vereinbaren Sie auch, welche Vorgabe bei Widersprüchen Vorrang hat. Für ein konkretes Projekt kann das freigegebene Glossar beispielsweise gegenüber älteren Referenztexten maßgeblich sein. Fachliche Unstimmigkeiten sollten vor der Übernahme geklärt werden.

Das Glossar in den Übersetzungsauftrag einbinden

Wer seine Terminologie vereinheitlichen möchte, sollte das Glossar bereits mit den Ausgangstexten übergeben. Ergänzen Sie eine kurze Auftragsbeschreibung: Zielgruppe, Verwendungszweck, gewünschte englische Sprachvariante und Ansprechpartner für fachliche Fragen.

Stimmen Sie außerdem ab, wie offene Begriffe behandelt werden. Sollen Vorschläge vorab freigegeben werden, oder können weniger kritische Fragen gesammelt während der Bearbeitung geklärt werden? Eine gemeinsame Rückfrageliste hält Entscheidungen nachvollziehbar fest.

Bei wiederkehrenden Aufträgen lohnt sich die Abstimmung des Dateiformats. Manche Übersetzungswerkzeuge können strukturierte Terminologiedaten importieren. Welche Angaben dafür benötigt werden, klären Sie mit dem Dienstleister. Das Glossar unterstützt die Bearbeitung und Prüfung; die korrekte Verwendung im Satz muss weiterhin beurteilt werden.

Freigaben und Änderungen nachvollziehbar halten

Benennen Sie eine Person, die den zentralen Stand des Glossars verwaltet. Fachliche Entscheidungen können mehrere Abteilungen betreffen, sollten aber an einer gemeinsamen Stelle zusammengeführt werden.

Jede Änderung braucht einen Status und ein Datum. Wird eine bisher freigegebene Übersetzung ersetzt, dokumentieren Sie den Grund und markieren Sie die alte Benennung als überholt. So bleibt verständlich, weshalb ältere Texte anders formuliert sind.

Für laufende Aufträge sollte eine eindeutig bezeichnete Version gelten. Ändert sich während der Übersetzung ein wichtiger Begriff, informieren Sie alle Beteiligten und vereinbaren Sie, welche bereits bearbeiteten Stellen angepasst werden müssen. Übernehmen Sie nach Abschluss des Auftrags die neu freigegebenen Begriffe in den zentralen Bestand und stellen Sie diese Fassung für den nächsten Auftrag bereit.