Übersetzung, Korrektorat oder Lektorat: Welche Leistung brauchen Sie?
Ein englischer Text liegt vor, doch vor dem Versand bleibt eine Unsicherheit: Stimmen Grammatik und Rechtschreibung? Klingt er natürlich? Oder gibt er den deutschen Ausgangstext überhaupt richtig wieder? Diese Fragen führen zu unterschiedlichen Leistungen. Ob Sie eine Übersetzung, ein Korrektorat oder ein Lektorat brauchen, hängt davon ab, was bereits vorliegt und welches Ergebnis Sie erreichen möchten.
Übersetzung, Korrektorat und Lektorat im Vergleich
Die drei Leistungen unterscheiden sich vor allem durch die Aufgabe, die am Text gelöst wird:
| Leistung | Ausgangssituation | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Übersetzung | Der Text liegt in einer anderen Sprache vor. | Inhalt und Aussage passend ins Englische übertragen |
| Korrektorat | Ein englischer Text ist bereits vorhanden. | Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung korrigieren |
| Lektorat | Ein englischer Text soll sprachlich verbessert werden. | Ausdruck, Lesefluss, Verständlichkeit und Ton überarbeiten |
Die Grenzen können sich überschneiden. Deshalb sollte ein Angebot konkret beschreiben, welche Arbeiten enthalten sind. Die Bezeichnung allein reicht dafür nicht immer aus.
Übersetzung: Eine Aussage in eine andere Sprache übertragen
Bei einer Übersetzung entsteht aus einem deutschen Ausgangstext ein englischer Zieltext. Dabei werden Bedeutung, Zusammenhänge und Ton berücksichtigt. Satzbau und Formulierungen müssen sich häufig verändern, damit die Aussage im Englischen verständlich und natürlich wirkt.
Eine Unternehmensvorstellung braucht beispielsweise einen anderen Stil als eine persönliche Bewerbung. Auch die Zielgruppe beeinflusst die Wortwahl: Fachleute erwarten präzise Begriffe, während ein breites Publikum möglicherweise zusätzliche Erklärungen benötigt.
Zur Übersetzungsarbeit gehört die Prüfung des eigenen Textes. Ob außerdem eine zweite qualifizierte Person die Übersetzung mit dem Original abgleicht, sollte im Leistungsumfang ausdrücklich vereinbart sein.
Korrektorat: Sprachliche Fehler beseitigen
Ein Korrektorat konzentriert sich üblicherweise auf formale sprachliche Fehler. Dazu zählen Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Tippfehler. Je nach Auftrag werden auch uneinheitliche Schreibweisen oder typografische Details geprüft.
Es eignet sich für Texte, deren Aufbau und Formulierungen bereits weitgehend passen. Umfangreiche Umstellungen, ein neuer Ton oder eine bessere Argumentationsstruktur gehören normalerweise nicht dazu.
Für englische Texte sollte vorab die gewünschte Sprachvariante feststehen. Britisches und amerikanisches Englisch unterscheiden sich unter anderem in Schreibweisen und bestimmten Konventionen. Beide können korrekt sein; entscheidend ist eine zum Auftrag passende, einheitliche Verwendung.
Lektorat: Den Text verständlicher und überzeugender machen
Ein Lektorat geht über die Fehlerkorrektur hinaus. Es prüft beispielsweise, ob Sätze unnötig kompliziert sind, Begriffe verständlich verwendet werden und Absätze sinnvoll aufeinander aufbauen. Wiederholungen können gekürzt, unklare Bezüge aufgelöst und schwerfällige Formulierungen verbessert werden.
Dabei zählt der Verwendungszweck. Eine sachliche Kundeninformation braucht andere Formulierungen als eine Werbebroschüre. Auch ein grammatisch korrekter Text kann zu förmlich, zu umständlich oder für seine Zielgruppe unverständlich sein.
Ein Lektorat umfasst häufig auch Korrekturen sprachlicher Fehler. Eine zusätzliche Schlusskorrektur oder umfassende Faktenprüfung ist jedoch nicht automatisch eingeschlossen. Klären Sie deshalb, ob nur der Stil oder auch Struktur, inhaltliche Schlüssigkeit und Fachterminologie bearbeitet werden sollen.
Eine Übersetzung prüfen: Warum der Ausgangstext wichtig ist
Wer englische Texte prüfen lassen möchte, sollte zwischen zwei Fragen unterscheiden: Ist das Englisch sprachlich gut? Und entspricht die Aussage dem Original?
Ein Text kann flüssig klingen und trotzdem eine falsche Zahl, eine ausgelassene Einschränkung oder einen unpassenden Fachbegriff enthalten. Solche Abweichungen lassen sich durch die alleinige Prüfung des englischen Textes nicht zuverlässig erkennen.
Dafür braucht es einen zweisprachigen Abgleich, häufig als Revision oder Übersetzungsprüfung bezeichnet. Dabei werden Ausgangstext und Übersetzung miteinander verglichen. Im Mittelpunkt stehen die korrekte und vollständige Übertragung sowie die Eignung für den vereinbarten Zweck.
Auch bei maschinell übersetzten Texten ist diese Unterscheidung wichtig. Die professionelle Nachbearbeitung wird als Post-Editing bezeichnet. Wie viel Arbeit erforderlich ist, lässt sich erst anhand des Originals, der erzeugten Übersetzung und des gewünschten Qualitätsziels einschätzen. Ein vermeintlich kleiner Korrekturauftrag kann eine umfassende Überarbeitung erfordern.
Welche Leistung passt zu Ihrer Situation?
Typische Ausgangslagen helfen, den Bedarf einzugrenzen:
- Ihre Unterlagen liegen ausschließlich auf Deutsch vor. Sie benötigen eine Übersetzung ins Englische. Geben Sie an, wer den Text lesen wird und wofür er verwendet werden soll.
- Sie haben selbst einen englischen Text geschrieben und sind mit Aufbau und Ausdruck zufrieden. Ein Korrektorat kann passen, wenn vor allem sprachliche Fehler beseitigt werden sollen.
- Ihr englischer Text ist verständlich, klingt aber umständlich oder uneinheitlich. Ein Lektorat ist sinnvoll, wenn Formulierungen, Ton und Lesefluss verbessert werden sollen.
- Eine vorhandene Übersetzung soll auf Richtigkeit geprüft werden. Beauftragen Sie ausdrücklich den Abgleich mit dem deutschen Original.
- Eine automatische Übersetzung soll veröffentlicht werden. Fragen Sie nach einer Nachbearbeitung mit Ausgangstextvergleich und nennen Sie den vorgesehenen Verwendungszweck.
Wenn Sie unsicher sind, schicken Sie den vollständigen Text oder zunächst eine aussagekräftige Probe. Damit lässt sich der Bearbeitungsbedarf besser einschätzen als mit der pauschalen Bitte, „kurz darüberzuschauen“.
So bereiten Sie den Auftrag vor
Auch der Einkaufsleitfaden des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer nennt Zielgruppe, Kommunikationsziel, Terminologie und Referenzmaterial als wichtige Angaben für Übersetzungsaufträge. Für die Prüfung vorhandener Texte sind diese Informationen ebenfalls hilfreich.
Stellen Sie möglichst Folgendes bereit:
- Text und gegebenenfalls Original: Bei einer Übersetzungsprüfung werden beide Sprachfassungen benötigt.
- Zielgruppe und Verwendung: Etwa Geschäftspartner, Bewerbungsadressaten oder Besucher einer Website.
- Sprachvariante und Ton: Beispielsweise britisches Englisch mit sachlicher, direkter Ansprache.
- Verbindliche Begriffe: Produktnamen, Fachbegriffe und vorhandene Terminologielisten.
- Bearbeitungsumfang: Nur Fehlerkorrektur, zusätzlich Stil und Struktur oder auch Originalabgleich.
- Dateiformat und Termin: Möglichst eine bearbeitbare Datei sowie der gewünschte Liefertermin.
Vereinbaren Sie außerdem, ob Änderungen nachvollziehbar markiert werden sollen und wer offene inhaltliche Fragen beantwortet.
Beschreiben Sie das gewünschte Ergebnis konkret
Eine präzise Anfrage könnte so lauten:
Unser Unternehmensprofil liegt bereits auf Englisch vor. Bitte prüfen Sie Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung und verbessern Sie schwer verständliche Formulierungen. Gewünscht ist britisches Englisch für Geschäftskunden. Der deutsche Ausgangstext liegt bei; bitte prüfen Sie auch, ob alle Aussagen korrekt übertragen wurden. Änderungen sollen nachvollziehbar markiert werden.
Diese Anfrage beschreibt mehrere Aufgaben, die über ein reines Korrektorat hinausgehen. Lassen Sie im Angebot festhalten, welche davon übernommen werden. So passen die beauftragte Leistung und Ihre Erwartungen an den fertigen Text zusammen.